#Socialmedia: Geht's im Job noch ohne?

Fluch oder Segen, nerviges Gequatsche oder sinnvolles Informieren? Die Meinungen über Soziale Netzwerke sind so mannigfaltig wie die Anzahl der Kanäle. Twitter, Facebook, Instagram, Snapchat, YouTube, WhatsApp, LinkedIn oder auch Xing – Tatsache ist, dass immer mehr Menschen auf einer, meist sogar mehreren Plattformen unterwegs sind, um sich auszutauschen oder mitzuteilen. Dabei wird kaum noch zwischen Privatem und Beruflichem getrennt. Chance oder Risiko?

Twitter-Gequassel und Selfie-Hype

Wenn der Mann im Weißen Haus twittert, wundert sich die Welt. Kein anderes Staatsoberhaupt auf dieser Welt nutzt Social Media so extensiv wie Donald Trump. Kein Tag vergeht an dem der amerikanische Präsident nicht zum Smartphone greift, um seine Sicht der Dinge der Welt aus dem Oval Office mitzuteilen: Häufig polternd und beleidigend, selten nachdenklich und staatsmännisch. Genervt von Twitter-Gequassel und Selfie-Hype will Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hingegen den Mitteilungsdrang übers Smartphone aus dem Plenarsaal verdammen und bekam dafür nicht nur Beifall. An die Spitze der Kritiker stellte sich die heutige Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär:

 

Soziale Medien, richtig genutzt sind das Pendant zur Glaskuppel unseres Reichstages als Zeichen und Mittel der Transparenz.

Innerbetriebliche Transparenz

Aber, wie definiert sich die „richtige Nutzung“ von Social Media, wenn es um das eigene Unternehmen geht? Wer bestimmt die Regeln, was ist erlaubt, was nicht, was erwünscht und was unerwünscht? Mit dem YOU AND ME (YAM-Netzwerk) betreibt die Deutsche Telekom eines der größten internen sozialen Netzwerke in Europa - und ist damit ein absoluter Vorreiter, der als Vorbild für andere DAX-Konzerne agiert. Über 120.000 Beschäftigte haben sich auf dieser Plattform registriert und tragen durch eigene Beiträge und Kommentierungen zur Transparenz von innerbetrieblichen Vorgängen bei. Auffallend dabei: Es gibt nur wenige Nutzer, die im Trump-Stiel durch das Netzwerk poltern. Und wenn mal jemand seine gute Kinderstube vergisst, fängt die Community ihn meist schnell wieder ein und sorgt so für einen wertschätzenden Umgang miteinander. Hier funktioniert der soziale Druck im besten Sinne – jenseits von Richtlinien und Verhaltenskodex.

Verplempern von Arbeitszeit?

De Größe und Beliebtheit von YAM ist aber zugleich auch eine Schwäche. Mitunter fällt es dem Nutzer schwer den Überblick zu behalten: Über 4.000 Gruppen machen die Orientierung im YAM nicht eben einfach. Und das ist Wasser auf den Mühlen der Kritiker, die das Durchschweifen der Plattform für unproduktiv halten. „Das ist einfach ein Zeitfresser und verursacht letztlich ein reines Verplempern von Arbeitszeit“, musste sich der Autor dieses Beitrages kürzlich sagen lassen. (Die Länge dieses Beitrags wird den Kritiker in seiner Meinung übrigens eher bestätigen ;) )

Kulturfaktor für Unternehmen

"Unsinn", sagen Organisationsexperten. Das Nutzen von sozialen Netzwerken, ob interne oder externe, ist im digitalen Zeitalter ein wichtiger Kulturfaktor für Unternehmen. Bei der Entwicklung, die das Kommunikationsverhalten die letzten Jahre durchlebt hat, wirkt der Verzicht auf soziale Netzwerke eher kontraproduktiv.

Der Arbeitsalltag wird aber immer massiver von sozialen Netzwerken und Technologien beeinflusst und Mitarbeiter, die wissen, wie sie diese Technologien produktiv einsetzen können, sind eindeutig im Vorteil“,

glaubt der Blogger und Social Media-Experte Jan Firsching. Auch die Zusammenarbeit werde durch solche Plattformen gefördert, sagen Harvard-Professoren. Wissens-Silos werden im besten Falle aufgebrochen. Voraussetzung dafür ist auch, dass solche Netzwerke nicht nur als Reflexionsfläche für Meinungen, sondern Inhalte als konkrete Arbeitshilfe genutzt werden.

Für viele sogenannte Digital Natives ist die Möglichkeit im Job zu twittern sogar auschlaggebend für die Arbeitgeberwahl. Unternehmen, die den Umgang mit sozialen Netzwerken im Arbeitsalltag restriktiv handhaben, tun sich schwer damit, Nachwuchskräfte zu finden. Kein Wunder, dass Unternehmen wie die Telekom Talente auch immer mehr über Facebook, Instagram oder LinkedIn ansprechen („Telekom Karriere“).

Maulkob für Plaudertaschen?

Bleibt die Frage, worüber ich als Mitarbeiter in den Social Media Kanälen sprechen darf und worüber nicht. Was ist vertraulich und was nicht? Schließlich ist es eine Sache, ob ich im Auftrag des Unternehmens twittere und poste, wie etwa die Kolleginnen und Kollegen von „Telekom hilft“. Eine andere Sache ist es, ob ich in meinen privaten Netzwerken über Interna meines Arbeitgebers plaudere. Heute noch auf Facebook die tolle Weihnachtsparty der Firma gelobt und morgen schon über die Restrukturierung der eigenen Abteilung gelästert - der Grat vom Markenbotschafter, der ein positives Bild von seiner Firma zeichnet, bis hin zum Kritiker, der das Unternehmen in Verruf bringt, kann schmal sein. Wie geht man als Unternehmen damit um? Den Plaudertaschen einen Maulkorb umhängen? Wohl kaum. Auch der Verweis auf die eher allgemeinen Verschwiegenheitspflichten, wie sie sich in den meisten Arbeitsverträgen finden, hilft sicherlich nur bedingt. Obgleich Beschäftigte mit der Unterschrift unter ihrem Arbeitsvertrag in der Loyalitätspflicht gegenüber ihrem Arbeitgeber stehen. Wer seine Loyalität übrigens durch Schmähkritik an der Konkurrenz unter Beweis stellen möchte, schießt auch übers Ziel hinaus und muss auf der Hut sein: Da kann es schnell mal Post vom Anwalt des geschmähten Unternehmens geben. Für das richtige Verhalten im Umgang mit sozialen Netzwerken reicht es nicht aus, Leitlinien und Verhaltenskodizes zu schaffen. Es muss vor allem eine wertschätzende Verantwortungskultur im Unternehmen etabliert werden. Und gesunder Menschenverstand hilft immer.

Erst denken, dann scherzen

Dazu gehört auch, dass man nicht auf Teufel komm raus, originell oder witzig sein muss, wenn man sich über oder für das Unternehmen bei Facebook, Twitter & Co äußert. Zwar verbreiten sich Botschaften mit Humor besonders schnell in den Netzten, aber die Bandbreite zwischen "nicht besonders witzig" und "entsetzlich ins Fettnäpfchen getreten" ist groß. Zuviel Blödeleien passen nicht in jeden professionellen Kontext und Ironie wird nicht von jedem auf gleiche Weise verstanden. Flapsigkeiten können auch nach hinten losgehen musste schon manches Unternehmen leidvoll erfahren. Nach dem Motto „Erst denken, dann scherzen“ arbeiten auch deshalb die Social Media Redakteure von "Telekom hilft". Oliver Nissen, im Kundenservice für Social Media & Services verantwortlich, plädiert für Achtsamkeit:

In aller Regel reagieren wir nicht spontan, bemühen uns aber darum, dass es so aussieht. Wir schreiben immer noch im Namen der Deutschen Telekom und wollen erstklassigen Service anbieten. Eine allzu impulsive Reaktion schadet dabei eher als dass sie hilft."

Könnt Ihr noch ohne #Socialmedia arbeiten? Teilt Eure Meinung und diskutiert mit uns auf LinkedIn.

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