Innovation erfolgreich verhindern

Ein How-To Guide

Du kennst das bestimmt: Man hat seinen Arbeitsalltag gerade so im Griff, alles läuft zwar nicht perfekt, aber kontrolliert, gewohnt und dadurch auch mehr oder weniger entspannt. Dann kommt irgendwo so ein Weltverbesserer-Dödel daher, der glaubt jetzt DIE große Idee zu haben, wie man alles neu, schön und toll machen kann. Das ganze wird dann disruptiv oder innovativ genannt, kriegt viele bunte Bullshitbegriffe und stört doch, wenn wir ehrlich sind, eigentlich jeden. Du denkst dir jetzt bestimmt: „Ganz genau. Aber ich weiß leider nicht, was ich dagegen tun kann.“ Keine Sorge: Wir präsentieren dir den großen „Innovation erfolgreich verhindern“-Guide.

 

Das erste was du wissen musst, ist das Innovationen in drei Phasen entstehen:

  1. Die Ideenphase (manchmal auch Problemphase genannt)
  2. Die Entscheidungsphase
  3. Die Umsetzungs- oder Implementierungsphase

Je früher du eine Innovation verhinderst, umso besser. Das spart nicht nur allen Beteiligten wertvolle Lebenszeit, es ist auch leichter, je früher du diesen Mist abwiegelst. Fangen wir also an:

Die Ideenphase

Wie der Name schon sagt, ist das der Zeitpunkt, wenn jemand eine Idee hat, was man anders machen kann. Irgendein Produkt, eine sog. Prozessverbesserung oder ein komisches Konzept. Es beginnt damit, dass die aktuelle Situation maßlos übertrieben als „schlecht“, „nicht nutzerfreundlich“ „old fashioned“ oder „übermäßig kompliziert“ tituliert wird, nur weil jemand zu faul war, das umfassende Handbuch zu lesen. Etwas Neues muss her. Digital, lean, agile – bevorzugt eine mit Design Thinking entwickelte AI auf Blockchainbasis die alle Probleme löst und über Alexa bedient werden kann. Das ist Blödsinn und du weißt das auch, kannst das aber nicht einfach sagen, weil unsere Gesellschaft leider neu über gut priorisiert. Deshalb funktionieren etablierte Argumente, wie „das haben wir schon immer so gemacht“, „das ist zu teuer“ oder „der Betriebsrat wird dem nie zustimmen“ leider nicht mehr. In der Ideenphase musst du den Ideengeber davon überzeugen, dass seine Idee nicht hilfreich ist. Da jeder seine eigene Idee in narzisstischer Arroganz immer toll findet, hier ein paar Ansätze, wie du es trotzdem schaffen kannst:

  • Löst die Idee das eigentliche Problem?

Bestimmt eine ganz, ganz, tolle Idee. Aber löst sie wirklich das eigentliche Problem? Hat man denn schon die Nutzer gefragt, was sie brauchen? Ist das Problem wirklich verstanden? Das beste Ergebniss ist, dass sich alle einig werden, dass das, was man eigentlich braucht, doch die alte Lösung mit neuer Beschreibung ist, oder?

  • Ist das unsere Aufgabe?

Schlüssige Ideation auf Nutzerfeedback? Sollte man auf jeden Fall machen? Ok, aber vielleicht nicht wir. Finanz müsste das machen, die IT, die Strategie müsste es langfristig einplanen, fällt in den Verantwortungsbereich von ABC-DEF und dem Team von Max Mustermann. Was auch gut ist, weil wir ja kein Budget und keine Ressourcen dafür haben, die aber schon. Und jetzt, back to business.

Entscheidungsphase

Solltest du trotzdem nicht verhindern können, dass die Idee Wurzeln schlägt, dann wird sie jetzt wohl diskutiert und zur Entscheidung gestellt. Die Methoden von davor kann man hier wiederverwenden, vielleicht überzeugt man ja das Management damit. Dazu kommen zwei weitere Optionen:

  • Inoffizielle Vorabkommunikation

Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Wenn du also wichtige Entscheidungsträger beim Kaffee triffst, erzähl ihnen doch schon von der Idee und was du davon hälst. Transparenz ist ja immer gut und dann muss man später auch nicht mehr so lange diskutieren.

  • Analyse – Paralyse

Wer im 21. Jahrhundert noch Entscheidungen aufgrund seiner Expertise (sprich: Bauchgefühl) trifft, hängt klar hinterher. Alle Entscheidungen müssen natürlich vollständig datengetrieben sein. Haben wir diese Daten? Wissen wir, alles, was wir zu der Idee wissen können? Wie hoch ist der ROI? Wie groß die Nutzergruppen? Wie skaliert das? Wer kann ein Product-Lifecycle aussehen? Steigt dadurch der Customer Satisfaction Index? Was bedeutet das für den Aktienkurs? Make or buy? Und wie ist eigentlich der ROI? So lange analysiert wird, wird schon nichts umgesetzt. Und solange dir zu jeder Präsentation ein paar kritische Fragen einfallen, die dringend vor der Entscheidung geklärt werden müssen, musst du deinen bequemen Sessel auch nicht verlassen. Eignet sich vor allem, wenn man selbst einer der Entscheidungsträger ist.

Die Umsetzungsphase

Wenn die Innovation bis hierher nicht stoppen konntest, dann kommt jetzt tatsächlich Arbeit auf dich zu. Überleg dir gut, ob du das willst. Vielleicht ist es ja einfacher, einfach nachzugeben und zu akzeptieren, dass sich dein Alltag etwas ändert. Du willst ja nicht am Ende mehr Energie in das Verhindern als in das Akzeptieren der Innovation investieren, oder? Falls aber doch, sind hier die erfolgreichsten Strategien:

  • Nichts tun und aussitzen

Einer der wenigen Klassiker, die immer noch funktionieren. Alle haben ja immer viel zu tun, alles ist mega wichtig und da nichts unwichtig ist, ist alles irgendwie gleichwichtig. Das schafft Beliebigkeit und die führt zu Freiräumen. In diesem Fall, dem Freiraum, das was du doof findest auch tatsächlich nicht zu tun. Am besten bindest du zusätzlich möglichst viele andere Leute in deine Projekte ein, die nichts mit der Idee zu tun haben. Wenn alle nichts machen, passiert auch am Ende nichts. Egal was der König vorher entschieden hat.

  • Revolution durch Iteration

Klar stehen wir alle geschlossen zur Entscheidung, aber wir sind ja auch agil. Also ist es nur fair, die Entscheidung im Sprintmodus alle 2 Wochen zu überdenken. Und so wird aus Option 1 mit der Zeit Option 1.1, dann Option 1.3, dann 1.6 und irgendwann Option 2. Und die lautete ja: Wir lassen alles beim alten. Totreden nennen es die einen, Innovation agil verhindern die anderen. Das ist doch modern, oder?

Wenn du dich jetzt fragst, ob das Sarkasmus ist, dann ist die Antwort ein klares „Jein“. Wir brauchen nicht jeden neuen Scheiß, aber wir brauchen auch nicht jeden neuen Scheiß nicht. Wenn jemand eine neue Idee hat, denkt mit. Hinterfragt alles, aber geht auch Sachen mit, wenn ihr sie gut findet. Macht eine bewusste Entscheidung, auf welcher Seite der Idee ihr jeweils stehen wollt.

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    Martin Betz

    Senior Expert HR Automation & Innovation
    Deutsche Telekom AG

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