#Hashtag: ein doppelkreuz macht karriere

Früher taugte das Rautezeichen allenfalls zum „Drei gewinnt“ spielen. Heutzutage ist das „Hashtag“, wie es auf Englisch heißt, ein Mittel, um im Netz inhaltlich verwandte Beiträge zu bündeln – und anerkanntes Symbol für Ein-Wort-Statements.

Wenn die Kumpels einem sonntags Whatsapp-Nachrichten mit #auakopf oder #vermissemeinejacke schicken, ist diese Art der Zustandsbeschreibung zwar orthografisch fragwürdig, aber für den Empfänger bleiben keine Fragen offen. Er weiß sofort: Am Vorabend war Alkohol im Spiel.

Dass ein unscheinbares Symbol wie das Rautezeichen derart salonfähig und für viele Menschen zum natürlichen Bestandteil ihrer Kommunikation geworden ist, hat seinen Ursprung beim Kurznachrichtendienst Twitter. Schon 2007 fingen dort Entwickler an, über das Hashtag Ordnung in ihre Tweets zu bringen – sie waren genervt, dass sie in der Fülle von veröffentlichten Inhalten nur schwer herausfiltern konnten, was eigentlich für sie relevant ist. Ein Thema, das in den Sozialen Medien übrigens nach wie vor brandaktuell ist.

#ordnung

Also begannen sie, über die Kombination von # mit einem prägnanten Wort Themenkanäle einzuführen. Der richtige Durchbruch kam dann zwei Jahre später, als die Suchsoftware in der Lage war, einem alle Beiträge mit derselben Kennzeichnung anzuzeigen. Die Themenordnung mittels Rautetaste schwappte schnell auch auf andere soziale Netzwerke über und hielt selbst in völlig analogen Kreisen, zum Beispiel bei Veranstaltungen, Einzug: Bei Konferenzen werden Referenten und Teilnehmer häufig vorab aufgefordert, sich selbst und ihre Aufgabe in drei Hasthags zu beschreiben - diese zieren dann das Namensschild.

Auch auf der Foto- und Videoplattform „Instagram“ sind Hashtags DIE Verkehrssprache unter den Nutzern, um Inhalte zu finden oder unters Volk zu bringen. Auf eine minimal kurze Bildbeschreibung à la „Hier gibt es das beste Eis von Köln“ folgt auf den ersten Blick unleserlicher Wust an Worten, unter denen möglichst auch etwas mit irgendwas mit „porn“ steht, #foodporn zum Beispiel. Warum die Nutzer den Platz neben ihrem schönen Bild derart verschandeln? Weil sie möchten, dass es von vielen Leuten gesehen wird, häufiger gelikt wird und sie dadurch vielleicht mehr Anhänger für ihre Seite gewinnen – und viele Stichworte erhöhen eben die Chance darauf, denn auch Instagram listet zum Suchbegriff alle Bilder mit entsprechender Kennzeichnung auf. Auf diese Weise erklären sich nicht nur die Menge an Hashtags, sondern die zum Teil „themenfremden“ Worte neben den Bildern – wir sagen nur: #porn.

#politik

Doch was bei Instagram eher Eitelkeitsstrategie ist, kann in anderen Sozialen Medien politische Kraft entfalten. Mit #jesuischarlie etwa stellten sich nach dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ weltweit Nutzer gegen islamistischen Terror. Mit #egyptbettertoday organisierte sich 2011 der Massenprotest gegen den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, und unter #Ehefüralle kämpften Homo- wie Heterosexuelle in Deutschland für eine Gesetzesänderung, die 2017 auch umgesetzt wurde.

Eins ist diesen drei Hashtags gemein: Man erfasst auf einen Blick, worum es dabei geht, und das ist auch im nachrichtlichen Gebrauch der wichtigste Erfolgsfaktor für die Verbreitung – es sei denn, man ist US-Präsident. Dann funktionieren auch kryptische Bezeichnungen: Donald Trump hatte (vermutlich) versehentlich den Tweet „Despite the constantly negative press covfefe“ abgesetzt – und die Internetgemeinde begann sofort zu rätseln: Wer oder was zum Teufel ist das? Schnell konnte man sich unter #covfefe über die abstrusesten Theorien und Übersetzungsversuche amüsieren. Womit wir wieder bei #auakopf wären …. diesmal ganz ohne Alkohol.

#jetztihr

Wenn ihr euch und eure Arbeit in drei Hashtags beschreiben müsstet – welche wären das? Schreibt es mir einfach bei Twitter in die Kommentare.

#machmit

#tweet

#workingdigital

 

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