Mein Job von Morgen!

Schon mal vom digitalen Nachlassmanager, dem Personal Design Coach oder dem Digital-Kurator gehört? Nicht? Kein Wunder, denn diese Berufsbilder gibt es noch nicht. Gut möglich, dass sie es in der Form auch nicht geben wird, aber die Fähigkeiten dafür werden künftig ganz bestimmt gebraucht. Reine Utopie? Mitnichten. Wer hätte noch vor einigen Jahren gedacht, dass Unternehmen heute schon händeringend nach Social Media Managern oder Cloud Architekten suchen?

Das zunehmende Tempo mit dem sich unser Leben und damit auch unsere Arbeit im digitalen Zeitalter wandelt, zwingt uns dazu, neue Fähig- und Fertigkeiten zu erwerben. Und zwar immer wieder. Wer auch morgen noch im Arbeitsmarkt gefragt sein will, müsse zum lebenslangen Lernen bereit sein, heißt es unisono bei Unternehmen, Gewerkschaften, Arbeitsmarktexperten und -politikern, wenn über die künftigen Anforderungen an Beschäftigte gesprochen wird. Es geht also darum, die eigene Beschäftigungsfähigkeit in die eigenen Hände zu nehmen.

 

Heute noch nicht erfunden: Jobs von morgen.

Dabei ist vieles im Fluss. Was geht? Was bleibt? Was kommt? Wie genau die Jobs von morgen aussehen werden, muss sich erst noch zeigen. Der technologische Wandel bedeutet, dass Arbeit und die damit verbundenen Anforderungen ständig in Bewegung bleiben. Experten des Weltwirtschaftsforums glauben, dass die Berufe, die die Grundschüler von heute morgen ausüben werden, noch gar nicht „erfunden“ sind. Neue Technologien führen zu heute noch ungeahnten Kundenbedürfnissen und neuartigen Geschäftsmodellen, die wiederum bringen neue Aufgaben und Jobs hervor.

Deshalb müssen etablierte Unternehmen, deren Geschäftsmodelle durch den technologischen Wandel unter Druck geraten, handeln. Ein Beispiel: der Chef des amerikanischen Telekommunikationskonzerns AT&T, Randall Stephenson, hat seinem Konzern das ambitionierte Programm „Workforce 2020“ verordnet. Eine interne Analyse des Ex-Monopolisten ergab, dass gut die Hälfte der 280.000 Beschäftigten mit ihren bisherigen Rollen und Fähigkeiten nicht zur Transformation in erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle beitragen können. Dass man die nötigen „Skills“ in dieser Größenordnung nicht einfach am Arbeitsmarkt einkaufen kann, war Stephenson und seinem Chefstrategen John Donovan bewusst. Deshalb hat der Konzern sein Skill- und Talentmanagement komplett auf den Kopf gestellt, um die Mitarbeiter fit für neue Technologien zu machen: Trainingstools, Leistungsbewertungen und – erwartungen, aber auch Vergütungspläne werden überarbeitet oder neugestaltet. Der Anspruch ist gewaltig: Jeder Mitarbeiter soll sich, wie das Unternehmen selbst, neu erfinden.

 

NEUGIER AUF NEUES

Arbeitsmarktexperten der Unternehmensberatung Berater von Deloitte sehen in dem AT&T-Modell eine Blaupause dafür, wie etablierte Technologiefirmen gegen „Digital Born“-Firmen, wie Amazon und Google bestehen können. Rund 40 Prozent der Chefs von großen Unternehmen, so haben Deloitte-Experten herausgefunden, klagen darüber, dass es schon heute kaum möglich sei, Menschen mit den notwendigen Talenten und Fähigkeiten für neue Aufgaben am Arbeitsmarkt zu finden. Der Schlüssel dafür sei die permanente interne Qualifizierung und der Wille und die Neugier der Mitarbeiter auf Neues.

 

jobs gehen, JOBS KOMMEN

Eine andere Frage, die immer wieder gestellt wird, wenn es um die Arbeit der Zukunft geht, ist, ob es durch die Digitalisierung und der damit einhergehenden Automation überhaupt noch genügend Jobs für alle gibt? Verschiedene Studien weltweit untermauern diese Befürchtung. Die wohl am häufigsten zitierte Studie ist die des Forscherduos Michael A. Osborne und Carl Frey. Die Autoren malen ein düsteres Szenario: 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA seien durch kluge Roboter und schlaue Algorithmen vom Aussterben bedroht. Unabhängig davon, dass selbst Frey und Osborne die Aufregung um diese Prognose für „übertrieben“ halten, glaubt auch Telekom Personalchef Christian Illek nicht an solche Schwarzmalerei. „Niemand weiß heute, wie morgen das Delta von Arbeitsplätzen, die verschwinden und von Arbeitsplätze, die entstehen, aussehen wird. Das ist ein Blick in die Glaskugel und lässt sich nicht seriös mathematisch vorherberechnen“, weiß der ausgebildete Naturwissenschaftler und betont: „Sicher ist: Tätigkeiten fallen weg, neue werden kommen“.

 

KEINE PANIKMACHE

Reza Moussavian, bei HR bei der Deutschen Telekom für die Ideenschmiede Digital & Innovation verantwortlich, hält das Verschwinden von Arbeit im großem Stil ebenfalls für Panikmache. Den Wandel macht er am Berufsbild der Designer und Ingenieure deutlich. Kreativität, Coaching und systematisches Denken würden wichtiger als die Fähigkeit zum Maschinenbauen. Überhaupt: : „Design wird ein Kernjob der Zukunft“, prognostiziert Moussavian.

Wer Zugang zu digitalen Medien und Bildungsangeboten hat, ob betrieblich oder privat, der muss sie nutzen, meint Moussavian: „Ein grundsätzliches Verständnis von digitalen Technologien, modernen Arbeitsmethoden und -tools sowie analytische Fähigkeiten werden dabei so wichtig sein wie Lesen, Rechnen und Schreiben".

GESUCHT: KREATIVITÄT UND EMOTIONALE INTELLIGENZ

Das Weltwirtschaftsforum befragte Personalleiter und Chefstrategen in 366 internationalen Unternehmen, welche Kompetenzen und Fähigkeiten Mitarbeiter 2015 (Zeitpunkt der Befragung) und welche sie 2020 brauchen werden. Der Wunsch nach kreativen Fähigkeiten sprang dabei von Platz 10 (2015) auf Platz 3 (2020) der Skala, gleich hinter den Kompetenzen „Kritisches Denken“ und „Lösen von komplexen Aufgaben“. Interessant dabei: „Emotionale Intelligenz“ und „kognitive Flexibilität“ suchte man auf der Top 10-Liste der künftigen Fähigkeiten vergebens.

Reza Moussavian ist übrigens davon überzeugt, dass Menschen sich künftig weit weniger über den eigenen Job definieren werden. Eine gewisse ökonomische Stabilität werde natürlich immer wichtig sein, aber das Streben nach einem monetären Mehr werde insgesamt abnehmen, vermutet er.: „Das Bewusstsein, dass der 20. Schuh im Regal nicht so glücklich macht, wie ein Abend mit Freunden, wird auch die Arbeitswelt nachhaltig verändern.“ Und da könnte sich dann ein ganz neues Berufsbild mit hoher Wachstumsperspektive auftun: Der Digital Detox-Therapeut für gestresste Digitalisierungs-Junkies!

Und was sind eure Meinungen zu dem Thema Jobs in der Zukunft? Habt Ihr schon Erfahrungen in diesem Bereich gemacht, oder wollt allgemein mit uns über Arbeiten im digitalen Zeitalter diskutieren?

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