Fake it till you make it - Warum wir Fake News erfunden haben

Es ist ein seltenes Privileg, zu sehen, wie die eigene Gesellschaft den Wechsel von einem Zeitalter zum Nächsten vollzieht. Solch ein Wechsel lässt sich zwar immer erst retrospektiv bestätigen, dennoch stehen die Zeichen gut, dass wir gerade einen solchen Übergang miterleben. Wir verlassen möglicherweise die letzten Ausläufer der Aufklärung, vervollständigen die Institutionsflucht der Postmoderne und begeben und vollständig in das Postfaktische Zeitalter. Der Kampfbegriff dieses Wechsels: Fake News

 

Was sind Fake News eigentlich?

Wikipedia beschreibt sie als bewusste Desinformation, hauptsächlich auf Nachrichtenkanälen oder in sozialen Medien, die idR. einem eigenen politischen oder finanziellen Zweck dienen. Klingt einfach, hat aber mindestens einen Haken: Was ist Desinformation?

Desinformation ist nicht dasselbe wie eine Unwahrheit. Unwahrheiten oder oft auch Lügen sind sehr viel einfacher zu identifizieren. Für eine Unwahrheit brauche ich eine objektive Wahrheit, der ich widersprechen kann, wie z.B. dass Steine aus Gras bestehen und in der Sonne schmelzen und diese muss dann auch widerlegbar sein. Eine Desinformation muss allerdings an sich nicht falsch sein. Es reicht vollkommen, wenn sie einen Sachverhalt betrachtet, in dem es kein Richtig und Falsch gibt, in dem objektive Wahrheiten fehlen. Denn in diesen Gebieten kann es keine logische Schlussfolgerung geben, wodurch Wahr und Falsch zunehmend zu emotionalen Bauchentscheidungen werden. Und sobald die Entscheidung emotional wird, entscheiden primär die Zusammenstellung der vorhandenen Informationen und die Wortwahl über die Wahrnehmung von Wahrheit. Technisch gesehen sind Freiheitskämpfer und gewaltbereite Aufständische das Gleiche und jedes Projekt solange Grün, bis der erste Meilenstein gerissen ist.

 

Bedauerlicherweise ist der Bereich, in dem es objektive Wahrheiten gibt, sehr klein, wenn überhaupt vorhanden. Dass die Erde eine Scheibe im Zentrum des Universums sei, galt lange Zeit als eine Wahrheit, Contergan als gutes Medikament und Monarchen beanspruchten ein göttliches Recht zu herrschen. Bei allem weiß man es heute besser. Der Prozess dahin war jedoch nicht immer einfach. Denn es gibt immer einen Zusammenhang zwischen einer Machtstruktur und dem was als Wahr gilt. Wer die aktuelle Wahrheit bedroht, der bedroht die aktuelle Machtlage. Das führt unweigerlich dazu, dass sich die Fragestellung ändert. Nicht mehr „Was ist wahr?“ ist wichtig, sondern „Welche Wahrheit nützt mir?“

Der Konflikt zwischen Wahrheit und Eigeninteresse hat viele Formen. Von Unternehmen, die Studien anfertigen, die zufällig immer ihren eigenen Standpunkt „wissenschaftlich“ begünstigen bis hin zu großangelegter Propaganda, die Millionen von Soldaten glauben ließ, sich gegenseitig zu töten, würde die Welt verbessern. Am Ende scheint die Wahrheit den Konflikt verloren zu haben. Wir vertrauen den Aussagen der Anderen immer seltener und oft nur dann, wenn sie uns gefallen. Und die Fakten, auf die das nicht zutrifft? Nun, das sind dann einfach alternative Fakten. Und die Berichterstattung darüber? Das sind Fake News. Und wie diese uns verändern werden, wird eine spannende Beobachtung über die nächsten Jahre sein.

PS: Ob das hier Desinformationen sind, wisst ihr erst, wenn ihr euch selbst informiert habt. Würdet ihr es merken, wenn das hier Fake News wären? 

    Martin Betz

    Senior Expert HR Automation & Innovation
    Deutsche Telekom AG

Entschuldigung

Ihr Browser ist leider nicht aktuell genug.
Um diese Webseite zu benutzen, benötigen Sie einen aktuellen Browser
Wir empfehlen einen der folgenden Browser in der aktuellsten Version zu installieren.

Auf iOS Geräten sollte mindestens die Betriebssystem Version iOS 9 installiert sein.

Mozilla Firefox Google Chrome Microsoft Edge Internet Explorer