Digitalisierung: Zur Wirkung fragt nicht euren Arzt sondern lest diesen Artikel!

Machen digitale Medien wirklich krank oder wirkt sich die Welt der Bits und Bytes positiv auf unser Wohlbefinden aus? Die Meinungen der Experten gehen auseinander. Die einen sprechen von „Cyberkrank“ oder „Digitaler Demenz“ andere Studien belegen, dass digitale Techniken sogar unsere kognitiven Fähigkeiten verbessern können. Ich habe mir eine Vielzahl an Studien und Analysen angeschaut und die Risiken und Nebenwirkungen aber auch die positiven Effekte der Digitalisierung gegenübergestellt.

 

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

„Die Digitalisierung verändert unser Leben wie kaum eine andere Neuerung, bei aller Euphorie müssen wir aber auch die Risiken im Blick haben“, sagte Drogenbeauftragte Marlene Mortler auf der Gamescom 2016. Sie betonte, dass aktuellen Zahlen zufolge allein in Deutschland etwa 560.000 Menschen nicht mehr vom Computer oder Smartphone loskommen. Besonders gefährdet sind Jugendliche durch internetfähige Handys. 

Internetabhängigkeit wird zwar nicht als Sucht anerkannt, aber Suchtforscher beschäftigen sich zunehmend mit den konkreten Folgen für die Gesundheit.

Die Konsequenzen sind u.a. eine Vernachlässigung von sozialen Kontakten. Außerdem ersetzt die virtuelle Welt zunehmend die reale Welt. Wer im Offline-Modus Unruhe und Missmut verspürt und jetzt eigentlich gerne E-Mails, Facebook, Messenger und Co. checken würde, ist vielleicht vom digitalen Burnout bedroht, vor dem der Bonner Informatiker Alexander Markowetz in seinem gleichnamigen Buch warnt.

1) ANGST ISST DIE SEELE AUF - AUCH DIE ANGST UM DEN EIGENEN JOB.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier beschwor auf der „The Digital Future Konferenz“ eine digitalisierte Zukunft, in der unsere Arbeitswelt nicht wiederzuerkennen sein wird. Ganze Berufsgruppen werden komplett verschwinden, andere neu entstehen. Das Tempo des Wandels nimmt den Atem – manchmal buchstäblich. Studien zufolge hat jeder dritte Arbeitnehmer Angst sein Arbeitsplatz könnte der digitalen Revolution zum Opfer fallen.

Der entsprechende „Distress“ bedroht langfristig die körperliche und seelische Gesundheit breiter Bevölkerungsschichten. Unternehmen und insbesondere die Führungskräfte sind gut beraten lebenslange Weiterbildung zum Erwerb zukunftsfähiger Skills zu fördern und Vertrauen in die Zukunft zu vermitteln.

Grund zum gesunden Optimismus gibt zum Beispiel eine Studie des britischen Magazins „The Economist“ und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte: Sie zeigt, dass der Fortschritt in den letzten 140 Jahren mehr Jobs geschaffen als vernichtet hat, und argumentiert, dass mit zunehmender „Technologisierung“ zwar die körperlich anstrengenden und gefährlichen Berufe ausstarben, dafür aber immer mehr wissenschaftliche und Dienstleistungsberufe entstanden sind.

Flexibilität wird das „neue Normal“ in der Arbeitswelt

2) DIE MENSCHHEIT IST NICHT FÜR MULTITASKING GESCHAFFEN!

Burnout durch Smartphones“ - davor warnt auch Medizin-Nobelpreisträger Thomas Südhof. „Wir sind nie mehr unerreichbar, nie außer Dienst. Per Mail stehen wir quasi „minütlich“ im Kontakt mit unserer Arbeit. Das kann auf Dauer nicht gut sein. Das führe häufig zu chronischem Stress, der den Menschen und sein Gehirn verändere. Es wundere nicht, dass viele Menschen an Burnout erkranken, wenn man sich anschaut, wie wir heute leben", sagte der 59-jährige Hirnforscher von der Universität Stanford in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die Zahlen sind erschreckend: 55 Mal am Tag nehmen wir es zur Hand. Drei Stunden täglich befassen wir uns im Schnitt mit unserem Smartphone. Ständig sind wir abgelenkt, unkonzentriert, gestört. Ein Leben quasi im Unterbrechungsmodus: Entscheidend ist nicht nur die insgesamt verbrachte Zeit am Smartphone. Entscheidend sind die dauernden Unterbrechungen. Es geht also darum wieder längere Zeiträume zu schaffen, in denen wir ungestört sind. Wir müssen als Gesellschaft sagen:

 

Unsere Aufmerksamkeit gehört uns und die lassen wir uns nicht von irgendwelchen Apps wegnehmen!

Umso mehr, da der Mensch nicht wirklich multitaskingfähig ist. Zu diesem übereinstimmenden Schluss kommen Studien von Psychologen, Hirnforschern und Arbeitswissenschaftlern: Wer gleichzeitig versucht, verschiedene Medien zu bedienen, hat ein schlechteres Arbeitsgedächtnis. Die Konzentrationsfähigkeit sinkt, das Ableiten von zentralen Informationen wird ineffektiv. Die Trennung in wichtig und unwichtig fällt uns schwerer, unser Urteilsvermögen wird schlechter. Jonathan Spira, Geschäftsführer der New Yorker Beratungsfirma Basex, rechnete aus Umfragen über Arbeitsgewohnheiten amerikanischer Manager hoch, dass der sinnlose Versuch, im Job mittels Multitasking produktiver zu werden, die US-Wirtschaft 588 Milliarden Dollar pro Jahr kostet.

3) WAS MACHT UNS WIRKLICH KRANK? ELEKTROSMOG? ODER DIE ANGST DAVOR?

„Die Elektrosmog-Forschung gleicht einer Massenschlägerei“, stellten Anne Kunze und Max Rauner 2013 in einem Artikel in der Zeit fest:

Einerseits behaupten durchaus renommierte Studienautoren, dass der ständige Gebrauch des Handys sich auf die Gesundheit auswirken kann. Beispielsweise, weil Mikrowellenstrahlung zu einer Überproduktion von freien Radikalen sowie zur Unterdrückung der körpereigenen Antioxidantien führt.  Zu den möglichen Folgen zählen angeblich ein Anstieg der Stresshormone, oxidative Organschäden, Unfruchtbarkeit sowie Tumorerkrankungen. In einer 2009 durchgeführten Umfrage äußerten sich rund 30 Prozent der Deutschen "besorgt" über die Auswirkungen von Handystrahlung.

Andererseits stellen ebenso ernstzunehmende Kapazitäten, wie Strahlenbiologe Alexander Lerchl von der Jacobs University in Bremen, keinen belastbaren Zusammenhang zwischen Handystrahlung und Krankheiten fest. Ihre Arbeiten machen eher plausibel, dass die Furcht vor dem Elektrosmog ungesünder ist als die Strahlung selbst.

4) WIR SITZEN UNS KRANK VOR DEM PC.

Sitzen ist das neue Rauchen“, sagen Studienautoren wie Marc Hamilton vom Pennington Biomedical Research Center in Louisiana. Im Gleichschritt mit der Digitalisierung verlängert sich die Zeit, die wir vor Bildschirmen verbringen – meist sitzend, und dies nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch nach Feierabend: Vor dem PC, Smartphone oder Tablet vergisst man schnell, wie wichtig eigentlich das Stehen und Laufen für unseren Körper ist. Durchschnittlich sitzt jeder deutsche Erwachsene 12 Stunden pro Tag.

Der menschliche Körper reagiert sehr empfindlich auf derart einseitiges Verhalten:
Für dauerhafte Fehlhaltungen und Bewegungsmangel revanchiert er sich u.a. mit Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, und Bandscheibenschäden. Wer gute Arbeit leisten will, muss auch in guter Form sein. Die gesundheitlichen Vorteile sind beachtlich, bei der Arbeit im Stehen werden wir kreativer und können uns besser konzentrieren. Das liegt daran, dass zu langes Sitzen die Gehirnfunktion beeinträchtigt.

5) HABE ICH EIGENTLICH SCHON FEIERABEND ODER ARBEITE ICH NOCH?

Die neuen Technologien und die ständige Erreichbarkeit verleiten dazu, jederzeit in Verbindung mit dem Arbeitsplatz zu stehen. Jeder zweite Arbeitnehmer kann sich selbst im Urlaub nicht von seinem Smartphone oder Laptop und somit vom Zugang zur beruflichen Kommunikation lösen. 

Stets zu allen Tages- und Nachtzeiten für Kollegen oder den Chef erreichbar sein, das klingt nicht gerade nach einem erstrebenswerten Fortschritt. Durch die Omnipräsenz der Arbeit verschwimmen die Grenzen von Arbeit und Freizeit. Abschalten und Entspannen fällt schwer, wenn jederzeit ein Anruf oder eine E-Mail aus dem Büro eintreffen könnte. Hohe Arbeitsbelastung, Stress und mangelnde Ruhezeiten können mentale Beeinträchtigungen wie Burnout und Depressionen hervorrufen.

Wie kann man dem vorbeugen: Beschäftigte brauchen das Gefühl, dass ihr Privatleben ernst genommen und respektiert wird. Hier sollten Unternehmen bewusst gegensteuern, Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Die Mitarbeiter müssen ebenfalls auch einfach mal das Handy weglegen oder ausschalten. Mobiles Arbeiten und flexibel sein, bedeutet nicht immer online zu sein.

Wirkung, Dosierung und Art der Anwendung

Edenred, ein Anbieter von Motivationslösungen für Mitarbeiter und Kunden, hat gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos 13.600 Mitarbeiter in 14 Ländern zu ihrer Zufriedenheit mit der Digitalisierung befragt, 800 davon in Deutschland. Im darauf basierenden "Edenred-Ipsos-Barometer 2015" gibt knapp die Hälfte der Befragten an, dass Digitalisierung die Eigenständigkeit bei der Arbeit fördert. 45 Prozent sagen, dass von der Zusammenarbeit zwischen Teams das Unternehmen profitiert. Gestiegene Lebensqualität bei der Arbeit registrieren immerhin 43 Prozent.

Outdoor-Arbeiten

1) ICH KANN BESTIMMEN, WO ICH HEUTE ARBEITE. WOW, ICH SPARE DADURCH FAST 2H AM TAG.

Laut einer Studie sagen 34 Prozent der Befragten, dass Sie durch Digitalisierung Berufliches und Privates besser vereinen können. Digitale Zusammenarbeit-Tools, mobiles Arbeiten sowie der Trend zu flexiblen Arbeitszeiten ermöglichen dies; zwischendurch die Kinder um 15 Uhr aus dem Kindergarten abholen und dann einfach zu Hause weiterarbeiten; zwischendurch mal eine Bewegungspause machen und zum Sport gehen oder einen Onlinefitnesskurs machen. Zusätzlich sparen sich viele sogar 1-2h Fahrt um ins Büro zu kommen, dies kann für die Erholung, die Familie und für sich selbst genutzt werden. Viele Eltern sind abends erst spät zu Hause, es bleibt kaum Zeit gesund zu kochen, wenn man bereits zu Hause ist schaut dies ganz anders aus.

Man hat durch ein Smartphone überall und zeitlich selbstbestimmt stets die Möglichkeit, einen Überblick über Emails und das Arbeitspensum zu behalten, und dies muss nicht zwangsläufig nur zu negativem Stress führen, nein dies kann vielmehr auch positiver Stress sein. Man liegt zum Beispiel mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus. Die Denkleistung ist deshalb nicht eingeschränkt. Durch ein Smartphone oder Laptop mit VPN Zugang kann man auch weiterhin einen Überblick überlaufende Aktivitäten behalten.

2) QUARANTÄNE IN GRIPPE ZEITEN: GESÜNDER FÜR MICH - UND FÜR DEN WORKFLOW.

Lassen wir einmal beiseite, dass die echte Grippe ein potenzieller Killer ist: Wellen ansteckender Erkältungskrankheiten, losgetreten von übermotivierten Kollegen, die schniefend mit erhöhter Temperatur am Schreibtisch sitzen und in Meetings Sitznachbarn anniesen, legen alle Jahre wieder ganze Abteilungen für Tage lahm.

Heutzutage kann man bei den ersten Symptomen zuhause bleiben und muss weder auf der Busfahrt ins Büro noch am Arbeitsplatz selbst „Bazillen schleudern“. Termine versäumt man trotzdem keine, weil man per E-Mail, WhatsApp, Telefonkonferenzen und Dokumententeilen mit dem Team verbunden ist. Diese Tatsache könnte sich langfristig als die positivste Auswirkung der Digitalisierung auf die Gesundheit erweisen.

Entstehende Freiräume durch die Digitalisierung

3) AUSSCHLAFEN MACHT GLÜCKLICH: LEBEN MIT DEM RHYTHMUS DER NATUR.

Der Begriff Chronobiologie taucht immer wieder auf, wenn von Digitalisierung die Rede ist. Vom Gesundheitsthema ist er einfach nicht zu trennen: Spezialisten wie Till Roennberg von der Ludwig Maximilians-Universität München machen das „ständige Leben gegen die innere Uhr für eine breite Palette von Gesundheitsstörungen verantwortlich und begrüßen die durch die Digitalisierung entstehenden Freiräume“

Wer sie dazu nützt, auszuschlafen, vermindert das Risiko von Alkohol- und Nikotinsucht, Übergewicht, Depressionen, Herz- Kreislauferkrankungen, Diabetes und, und, und – von der spürbar verbesserten Konzentration am Arbeitsplatz ganz zu schweigen.

4) COOL SCHON WIEDER EINE NEUE GESUNDSHEITSAPPLIKATION AUF DEM MARKT.

Durch Gesundheits-Apps und -Tracker kann man seine Gesundheit stets im Blick haben, insbesondere die Bewegung und ggf. das Schlafverhalten. Durch die Visualisierung meiner Gesundheitsergebnisse wird automatisch das Bewusstsein für mehr Gesundheit gefördert. Hier zu nennen ist das Beispiel von „Foodtracking“. Wenn man seine Ernährung genau nachhält, überlegt man vielleicht zweimal, ob man zum Schokoriegel oder zum Apfel greift, man schaut auf den Schrittzähler am Arm und stellt fest „ich nehme doch lieber die Treppe und nicht den Aufzug“.

Egal, ob es darum geht, gesünder und leistungsfähiger zu werden oder seine Gesundheitswerte besser zu dokumentieren: Die Vernetzung von Messgeräten und Smartphone macht es leichter das eigene Wohlergehen im Blick zu behalten und zu dokumentieren – und das im besten Fall mit viel Spaß.

Vernetzung von Messgeräten und Smartphone

5) SMART HOME GIBT MIR MEHR ZEIT, DIE ICH ZUM RELAXEN NUTZEN KANN.

Bedeutet Smart Home auch Smarte Gesundheit? Dies hat eine Studie der Technologiestiftung Berlin, zum nachhaltige Leben zu Hause, untersucht. Der Hauptwunsch im Smart Home mit Assistenzsystemen ist ein möglichst selbstbestimmtes und komfortables Leben in den eigenen vier Wänden. Individuelle, mobile und flexible Unterstützung des persönlichen Wohlergehens ist angesagt. Nicht mehr nur die Vermeidung von Krankheiten oder die Unterstützung der eigenen Gesundheit stehen im Fokus neuer Produkte oder Dienstleistungen. Es geht um Verbesserung der Lebensqualität sowie darum, dass ich meine kostbare Zeit für andere Dinge investieren kann.

Unterstützt wird dies durch Breitband/ Glasfaser bis in die Wohnung, ein vernetztes Wohnen (Home Area Network), durch einen Multiservice-Gateway (Wasser/ Wärme/ Wohnungsdaten), sensorbasierte Assistenzsysteme, eHealth und Telemedizin sowie Plug'n'Play Lösungen.

Einen Großteil der Technik gibt es bereits heute, ein Nachteil ist aktuell noch der Preis.

Zusammenfassung

Negativ

  1. Angst: Angst isst die Seele auf - auch die Angst um den eigenen Job. Was macht uns wirklich krank? Elektrosmog? Oder die Angst davor?
  2. Multitasking: Die Menschheit ist nicht für Multitasking geschaffen!
  3. Bewegung: Wir sitzen uns krank vor dem PC.
  4. "AlwaysOn": Habe ich eigentlich schon Feierabend oder arbeite ich noch?

 

Positiv

  1. Zeitersparnis: Ich kann bestimmen. wo ich heute arbeite. Wow, ich spare dadurch fast 2h am Tag.
  2. Krankheitswall: Quarantäne in Grippe Zeiten: gesünder für mich - und für den Workflow
  3. Biorhythmus:  Ausschlafen macht glücklich: Leben mit dem Rhytmus der Natur.
  4. eHealth: Cool schon wieder eine neue Gesundheits-Applikation auf dem Markt
  5. eHome: Smart Home gibt mir mehr Zeit, die ich zum relaxen nutzen kann.

Und nun zu Euch?

Überwiegen bei euch die Chancen und neuen Möglichkeiten der Digitalisierung oder erlebt ihr zunehmend die Risiken und gesundheitlichen Nebenwirkungen?

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