Das bringt Blockchain!

Mit den technischen Details von „Blockchain“ ist es wie mit „Datensicherheit“: Keiner hat richtig Lust, sich damit zu befassen. Dabei hat die Technologie das Potenzial, unser Leben so zu verändern wie das Internet. John Calian ist bei der Telekom für das Thema verantwortlich. In einem Gastinterview erklärt er, was Blockchain ist und wie das gehen soll – fast ohne über Technik zu sprechen.

 

John Calian

Susann

Irgendwie scheint der Funke der Begeisterung beim Thema „Wie funktioniert Blockchain?“ nicht überzuspringen. Woran liegt das?

Calian

Wir reduzieren Blockchain zu viel auf Technologie. Das macht es kompliziert. Beim Smartphone oder Laptop wollen die meisten von uns auch nicht wissen, wie das im Hintergrund funktioniert, sondern sich damit das Leben leichter machen.

 

Wie lässt sich die Blockchain denn „untechnisch“ beschreiben?

Es geht um etwas, was sich für uns Menschen erst einmal unnatürlich anfühlt: um Dezentralisierung. Wenn wir uns im Alltag umschauen, ist alles zentralisiert: Wir kriegen Geld von der Bank, den Einkauf erledigen wir im Supermarkt, wir lernen vor Ort in einer Schule. Durch Blockchain lassen sich jedoch verschiedenste Vorgänge dezentralisieren.

 

Zum Beispiel?

Ein Beispiel unter vielen sind politische Wahlen. Bisher gibt es eine zentrale Instanz, die den Vorgang reguliert, von der Wahlberechtigung über die Stimmenauszählung bis zur Verkündung der Ergebnisse. Mit Blockchain sähe es so aus: Ich wähle online und platziere eine Transaktion, nämlich meine Stimmabgabe, in einem „Block“, der meine Wahl dokumentiert – auch die Stimmen aller anderen Wähler werden in solchen Blöcken erfasst. Man muss sich das vorstellen wie eine riesig lange Liste mit unzähligen Seiten; eine Kette eben, die kontinuierlich erweitert wird. Die Transaktionen, in unserem Beispiel die Wählerstimmen, werden verschlüsselt und mit einer weiteren Verschlüsselungstechnologie mit bereits vorhandenen Blöcken verknüpft. Dieser Datensatz liegt allen Beteiligten vor - in diesem Fall unseren Wählern. Die Stimmverteilung wird so transparent und kann nicht manipuliert werden, weil das Ergebnis nicht an einem einzigen Ort liegt. Blockchain fördert also das Vertrauen.

 

Inwiefern?

Wenn ich bislang bei eBay etwas für mein Mountainbike kaufe, muss ich darauf vertrauen, dass der Verkäufer die Ware liefert. Er wiederum vertraut mir, dass ich bezahle – aber wir kennen uns gar nicht. Mit Blockchain würde unsere Kaufabwicklung von A bis Z nachvollziehbar geprüft und dokumentiert, inklusive automatischer Userbewertung. Die Prüfung erfolgt durch so genannte „Miner“ – das sind Menschen, die mit Hochleistungsrechnern die Datensätze durchforsten, schauen, ob alles seine Richtigkeit hat und dann den neuen Datenblock verschlüsselt mit dem vorherigen verknüpfen. All das passiert in Minutenschnelle und ist, ganz wichtig, unabhängig von einer bestimmten Person. Es zählt, wer am schnellsten ist.

 

Jetzt wird es doch technisch: Wie findet diese Dokumentation statt?

Blockchain basiert auf einer Software, die für jeden Nutzer zwei Schlüssel erstellt. Einen öffentlichen und einen privaten. Man muss sich das vorstellen wie bei einem Konto: der öffentliche Schlüssel ist die Kontonummer, der private die PIN. Wenn ich aktiv werden will, gebe ich über meinen privaten Schlüssel die benötigten Infos ins System – sei es die Überweisung für mein Mountainbike-Accessoire oder auch meine Stimme bei der Wahl. Der öffentliche Schlüssel ist für jeden sichtbar und wird gebraucht, damit die Beteiligten sehen können, was ich getan habe.

 

Wo würde sich Blockchain für die Telekom rentieren?

Das zu erarbeiten ist genau meine Aufgabe. Ich soll alle Blockchain-Aktivitäten im Konzern koordinieren und eine Strategie entwickeln, wie wir das bei der Telekom nutzen könnten. Ein gut verständliches Beispiel ist Roaming. Die Roamingdaten zwischen den Telko-Unternehmen werden bisher mit ausführlichen Datenlisten erfasst und bearbeitet. Die daraus resultierenden Infos und Zahlungen laufen über ein Mittlerunternehmen  – das für diesen Dienst Geld kassiert und auch die Hand aufhält, wenn zum Beispiel Daten fehlen. Mit Blockchain bräuchte man das schon mal nicht mehr, weil alle Unternehmen Zugriff auf alle Roamingdaten hätten. Der Zahlungsvorgang ist also deutlich effektiver, der "Mann in der Mitte" fällt weg.

 

Wenn sich damit Kosten reduzieren lassen, dürfte das Management doch aufhorchen..

Das stimmt. Bisher gab es im Konzern durchaus viel Leidenschaft für das Thema, zum Beispiel in der Blockchain Community, aber wenig Aktivität, weil das Thema noch nicht die Aufmerksamkeit beim Management genossen hat. Das hat sich deutlich geändert.

Welche Erfahrungen habt Ihr schon mit Blockchain gemacht, oder welche Meinung habt Ihr zu dem Thema?

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